I.B.

Erfahrungsbericht

von I.B., 22 Jahre

Ich bin gebeten worden, kurz meine Krankengeschichte und insbesondere meine Zeit auf der Transplantationsstation zu beschreiben.
Ich bin heute 22 Jahre alt und meine 3. Transplantation ist jetzt ein Jahr her. Ich erkrankte 2004 mit 16 Jahren an einer cAll, die mit der Chemotherapie leider nicht zu heilen war. Nachdem ich zwei Rezidive erleben musste, sank meine Hoffnung auf einen Tiefpunkt. Die Bilanz meines Lebens war einfach niederschmetternd. Im Vergleich zu meinen Freunden, erlebte ich mich ausgelaugt, hoffnungslos ohne greifbare Zukunft und traurig. Ich sah zu wie meine Freunde ihre Berufsausbildungen begannen, sich in Discos vergnügten, Fußball spielten und ich pendelte zwischen Wohnung und Klinik hin und her.

Körperlich war ich ziemlich mürbe und hatte auch keine großen Hoffnungen mehr nach den erfolglosen Therapien. Es war damals ein sehr eingeschränktes Leben, obwohl, oder gerade weil ich mit 17 Jahren ein Mädchen kennenlernte, in die ich mich verliebte und mit der ich noch heute zusammen bin.

Wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, muss ich gestehen, dass ich Phasen hatte, wo ich mich mit dem Ende des Lebens auseinandersetzte. Der Blick in die Zukunft war immer mit dem stärker werdenden Gedanken verbunden, dass meine Zeit begrenzt ist. Zu dieser Zeit fühlte ich mich oft schon wie leblos, es war eine sehr deprimierende Zeit. Ich zog mich zurück, war ziellos, mein Leben bestand in einer Routine aus Medikamenteneinnahme und Klinik. Alles fiel mir schwer, schon alleine morgens aufzustehen. Es gab Phasen der Hoffnungslosigkeit, aber auch Trauer und Aggression auf mein Schicksal. Anderseits habe ich nie die Hoffnung aufgegeben doch noch gesund zu werden. Meine Freundin und drei Freunde standen mir bei. Auch in der Klinik versuchte man mich immer wieder aufzubauen und sozial zu unterstützen.

Aber wenn kein Silberstreif am Horizont zu erkennen ist, fällt es schwer sich jeden Tag zu motivieren. Zum Glück sprach mich in dieser Situation ein Doktor der Klinik an und erklärte mir, dass es Erfahrungen und Erkenntnisse gäbe, die zeigen, dass eine Transplantation mich doch noch gesund machen könnte. Ich wollte es erst gar nicht glauben, aber ich war dankbar, dass die Ärzte mich nicht abgeschrieben hatten und sie mir diesen Vorschlag machten. In einem ausführlichen Gespräch erklärte mir der Doktor was eine Transplantation ist und aus welchen Gründen er denkt, dass mich das doch noch gesund machen könnte.

Das Gespräch war einerseits sehr ernst, bezüglich der Risiken. Anderseits spürte ich trotz aller Risiken dieser Therapie, dass es logisch gesehen ein anderer Ansatz war als die bisherigen Chemotherapien. Ich merkte, dass es mir nach diesem Gespräch deutlich besser ging. Ich hatte wieder Hoffnung und ich spürte dass meine Hoffnungslosigkeit sich in eine Chance verwandelte. Mir ging es psychisch und körperlich wieder besser, obwohl noch gar nichts geschehen war. Hatte das Gefühl, dass ich doch noch ein Leben haben könnte.
Da es keinen Fremdspender gab, wurde meine Mutter als Spenderin genommen. Leider gab es Komplikationen, so dass das gleiche noch einmal mit den Stammzellen meines Vaters gemacht wurde. Aber auch das machte mich noch nicht gesund, so dass noch einmal meine Mutter spendete. Seit einem Jahr bin ich gesund und ich habe das Gefühl es geschafft zu haben.

Ein typischer Tag auf der Transplantationsstation.

Wie gesagt, nach dem Vorschlag mit einer Transplantation gesund zu werden, fühlte ich mich wieder hoffnungsvoller und stärker. Die Transplantationsstation ist im ersten Stock eines ovalen Gebäudes. Ich zog in eines der 6 Zimmer, die klein aber mit allem notwendigen, wie Dusche, Campingtoilette und Internetanschluss ausgestattet ist. Toll ist der Blick durch eine bis zum Boden verglaste Scheibe in einen Park und auf die Eisenbahnstrecke.
Die Vorbereitungszeit war mit vielen Untersuchungen verbunden bis es dann stationär los ging. Gut instruiert betrat ich die Station.
Eine Schwester zeigte mir das Zimmer und half mir beim Einziehen. Um gleich bei den Schwestern zu bleiben: Die Schwestern sind alle nur unwesentlich älter als ich, so dass ich mich wie unter meinesgleichen fühlte. Ich bekam zu vielen Schwestern einen guten, fast privaten Kontakt. Ich konnte mit Ihnen über die Dinge reden, die in meinem Alter interessant und wichtig sind. Ich hatte mit vielen Schwestern interessante und lange Gespräche, vor allem nachts, wenn ich nicht schlafen konnte.

Die Ärzte erklärten mir jeden therapeutischen Schritt und lotsten mich so von Tag zu Tag. Es gab tägliche Visiten, wo mir der Verlauf der Therapie erklärt wurde und die Bedeutung der Symptome. Sie waren mit ihrer Schmerztherapie immer darauf aus, dass ich nicht unnötig leiden musste. Die ganze ärztliche Mannschaft strahlte Zuversicht aus, was mir Mut machte, die einzelnen Therapieschritte zu gehen

Neben den Schwestern und Ärztinnen gibt es noch ein Team, das sich um meine psychologischen und sozialen Probleme kümmerte. Der Erzieher schloss mich sofort an das Internet an, so dass ich Kontakt zur Außenwelt hatte und je nach meinen Interessen und Tagesbedürfnissen konnte ich mit ihm reden, spielen oder sonst was tun.

Jeden Morgen kam auch die Psychologin vorbei und checkt wie meine aktuelle Stimmung war. Sie wollte immer wissen wie es mir körperlich ging und was ich dazu für Gedanken und Gefühle habe. Wenn es für sie stimmig war und zu der Situation passte, wünschte sie mir einen guten Tag und schaute am nächsten Morgen wieder vorbei. Ich habe sie während der gesamten Transplantation nicht weiter gebraucht, fand aber gut dass sie einen Blick für mein Befinden hatte und mich ansprach.

Dann gab es noch Unterricht durch die Lehrerin der Schule für Kranke. Auch Musiktherapie war möglich. Für die sozialen Fragen war die Sozialarbeiterin da.
Alle die dort arbeiten, konnte ich, je nachdem um welche Probleme es sich handelte ansprechen und fragen. Ich hatte während der gesamten Zeit das Gefühl, dass alle an mich glaubten und auch ich habe immer geglaubt, dass sie mich gesund kriegen.

Jetzt ist ein Jahr nach Transplantation. Ich habe das Gefühl gesund zu bleiben und plane die Ausbildung zum Krankenpfleger.